Knowledge Base: Symmetrix im Elektor Sonderheft Röhren 4

Symmetrix, die vollsymmetrische Endstufe für hochwertigen HiFi- und Studioeinsatz

Diese universell einsetzbare Endstufe besitzt eine vollsymmetrische Schaltungsauslegung mit einigen im Vergleich zu bekannten Schaltungen außergewöhnlichen Detaillösungen, die einen sicheren Betrieb im harten Studioeinsatz gewährleisten. Die Endstufe arbeitet im reinen Klasse-A-Betrieb.

Symmetrische Verstärkerschaltungen sind keine Errungenschaft der Halbleitertechnologie, sondern wurden schon zu Röhrenzeiten vor allem in Messgeräten wie z.B. in Oszilloskopen (siehe (1), Seite 270ff), aber auch in aufwändigen Audioverstärkern eingesetzt. Eine Errungenschaft der Halbleitertechnik ist allerdings die Perfektionierung und Verbreitung der symmetrischen Schaltungstechnik. Der Leser mag positiv überrascht sein angesichts der konsequenten Umsetzung der symmetrischen Röhrenschaltungstechnik mit Halbleiterunterstützung, die in der vorliegenden Form im Bereich Selbstbau eher wenig Beachtung findet. Viel zu sehr erfolgt unserer Meinung nach eine Konzentration auf traditionelle Schaltungstechniken.

Bild 1: Einstellbare Konstantstromquelle

Warum gab es so eine Schaltung zur Blütezeit der Röhrentechnik trotz ihrer offensichtlichen Vorzüge nicht in kommerzieller Form? Der Hauptgrund liegt in der Tatsache, dass eine derartige Schaltung vor oder zu Beginn der Halbleiterzeit schwer möglich war, weil der Aufbau von Konstantstromquellen mit Röhren nur mit hohem Aufwand zu realisieren ist. Vergleichbare Röhrenschaltungen können nicht zwischen Kathode und Masse geschaltet werden, wie aus dem Schaltplan in Bild 1 ersichtlich, sondern erfordern eine zusätzliche hohe negative Hilfsspannung. Diese Spannung wäre für hochwertige HiFi-Verstärker ebenso aufwändig zu sieben wie die positive Versorgungsspannung des Verstärkers. Außerdem würde eine gemeinsame Konstantstromquelle für zwei Endröhren zumindest Röhren mit gleicher oder größerer Belastbarkeit erfordern, z.B. zwei weitere KT 88 oder eine 6C33C. Eine Langzeitkonstanz, wie sie die Halbleiterlösung bietet, wäre dennoch sehr schwer realisierbar.

Die Stromflüsse auf den Masseleitungen der Platine sind konstant, daher gibt es keine Überlagerungen der Signale mit Störungen durch einen lastabhängigen Stromverbrauch der Endröhren. Die Konstantstromquellen gewährleisten diesen absolut gleich bleibenden Stromfluss, denn auch im herkömmlichen Klasse-A-Betrieb kann bei Vollaussteuerung der Endröhren eine Zunahme des Stroms durch die Röhren beobachtet werden. Das Datenblatt zur KT-88 von Svetlana (siehe www.svetlana.com) beispielsweise spricht bei der „typical operation Class A, single tube“ von einem Anodenstrom ohne Aussteuerung von 87 mA und einem Anodenstrom bei maximaler Aussteuerung von 105 mA.

Die Vorteile einer derartigen Schaltungsauslegung sind zahlreich und speziell für den Studiobetrieb besonders wichtig:

  • Die flexible Eingangsbeschaltung in symmetrischer oder unsymmetrischer Form ist zum Anschluss professioneller Leitungen Pflicht. Auch für den privaten Anwender ist dies jedoch von Nutzen, da er wesentlich mehr Freiheiten hat: Es besteht die Möglichkeit einer Eingangsbeschaltung per Übertrager, symmetrisch oder unsymmetrisch. Die Phasenlage ist wählbar und könnte sogar schaltbar ausgeführt werden.
  • Durch den reinen Klasse-A-Betrieb ist der Verstärker besonders klirrarm.
  • Ebenso wie bei der Beschaltung des Eingangs bietet die Endstufe auch bezüglich der Endröhrenwahl eine besondere Flexibilität. Verschiedenste Endröhrentypen können durch die sehr präzise Stromeinstellung einfach eingesetzt werden.
  • Die automatische und gleichzeitig geregelte Ruhestromeinstellung der Endröhren bietet konstanten Ruhestrom bis zum Lebensdauerende der Endröhren, einfachsten Endröhrentausch ohne neuerliche Ruhestromeinstellung sowie eine automatische Abschaltung bei Endröhrendefekt.
  • Die Endstufe hat nicht nur einen symmetrischen Eingang sondern auch einen symmetrischen Ausgang.
  • Sämtliche Verstärkerstufen ziehen konstant Strom, daher ist der Aufwand bei der Konstruktion des Netzteils geringer.
  • Die Gegenkopplungsschleife ist sehr kurz und umfasst nur zwei aktive Stufen. Stabilitätsprobleme werden dadurch minimiert.
  • Die Röhrentype in der ersten Stufe ist austauschbar, da sich diese nicht in der Gegenkopplungsschleife befindet.

Die Nachteile der Schaltung dürfen jedoch auch nicht unter den Tisch gekehrt werden. Durch den reinen Klasse-A-Betrieb fällt viel Verlustwärme an. In Klasse AB oder B wäre die Ausgangsleistung bei gleicher Betriebsspannung und gleichem Röhrentyp deutlich höher. Die notwendigen selektierten Endröhren für dieses Schaltungskonzept sind heute überall mit geringem Aufpreis verfügbar.

Bild 2: Verstärkerschaltung

Die gesamte Verstärkerschaltung konnte durch den symmetrischen Aufbau relativ übersichtlich verwirklicht werden. Der Verstärker, dessen Schaltplan in Bild 2 gezeigt ist, hat einen dreistufigen Aufbau. Die erste Stufe ist ein Differenzverstärker mit Phasenumkehrfunktion, sollte der Verstärker nicht symmetrisch angesteuert werden. Die Kathoden der Eingangsröhre sind miteinander verbunden. Der gemeinsame Ruhestrom wird durch die Konstantstromquelle, bestehend aus dem Transistor T1 (bzw. T2 für den zweiten Kanal), LED1 (bzw. LED2) und zwei Widerständen erzeugt. Der Widerstand R8 (bzw. R36) versorgt die LED, die die Basis von T1 (bzw. T2) auf eine sehr konstante und rauscharme Spannung legt. Durch die annähernd konstante Basis-Emitter-Spannung wird der Strom durch den Widerstand R7 (bzw. R35) bestimmt. Wir benützen dabei die Eigenschaft des Transistors, dass bedingt durch seine Ausgangskennlinie der differentielle Innenwiderstand sehr groß ist, der statische Innenwiderstand dagegen klein. Würde man versuchen, diese Schaltung durch einen Widerstand zu ersetzen, dann bräuchte man eine negative Hilfsspannung im Kilovoltbereich, siehe dazu auch (2), Seite 59ff. Durch die Kombination von Röhren und Halbleitern entsteht ein sehr hochwertiger Differenzverstärker, der eine sehr präzise Phasenumkehr und mehrere Möglichkeiten der Eingangsbeschaltung bietet. Der Verstärker kann konventionell unsymmetrisch angesteuert werden. Je nachdem, ob die Endstufe invertieren soll oder nicht, wird das Eingangssignal auf Eingang 1 oder 2 angeschlossen und der andere Eingang auf Masse gelegt. Soll der Verstärker symmetrisch angesteuert werden, werden beide Eingänge verwendet. Die symmetrische Signalführung nützt den Vorteil des Differenzverstärkers, gleichphasige Eingangssignale zu unterdrücken, damit werden die Auswirkungen von Einstreuungen in die Signalleitung auf das Musiksignal minimiert. Das ist besonders im Studiobetrieb notwendig, wo oft mit sehr langen Signalleitungen gearbeitet werden muss. Darauf folgt für jede Phase eine Treiberstufe, die die beiden phasengedrehten Signale noch einmal verstärkt und an die beiden Endröhren schickt. Die nicht mittels Kondensator überbrückten Kathodenwiderstände führen einerseits zu einer linearisierenden Stromgegenkopplung an R13, R14 (bzw. R41, R42) für die Treiberröhren, andererseits ermöglichen sie die Einspeisung des Gegenkopplungssignals von den Anoden der Endröhren. In allen Anoden der ersten und zweiten Stufe werden parallel geschaltete Widerstände mit 1% Toleranz verwendet um die hohe Symmetrie des Verstärkers zu unterstützen.

Die Endröhren sind wiederum als Differenzverstärker geschaltet. Der Aufwand für die Konstantstromquellen CCS1 und CCS2 ist größer als für die der Eingangsstufe, siehe Schaltplan in Bild 1 und 2. Damit verschiedene Endröhrentypen verwendbar sind, muss der Ruhestrom und damit der Strom durch die Konstantstromquelle einstellbar sein. Durch den höheren Strombedarf der Endröhren im Vergleich zur Eingangstufe werden daher höher belastbare Leistungstransistoren T5 (bzw. T6) benötigt, die sich im Betrieb erwärmen und dadurch ihre Eigenschaften verändern. Um diese Veränderungen zu kompensieren, wird ein Operationsverstärker vorgeschaltet. Mit den Potentiometern P1 (bzw. P2) wird eine Referenzspannung erzeugt, die den Strom durch die Transistoren und damit durch die Röhren bestimmt. Der Operationsverstärker sorgt durch seine Eigenschaft die Differenz zwischen seinen Eingängen auf 0 V zu halten für eine konstante Spannung an den Widerständen R73 (bzw. R76). Dadurch wird auch die Temperaturdrift der Transistoren T5 (bzw. T6) ausgeregelt. Die Widerstände R21, R22 (bzw. R49, R50) ermöglichen eine Selektion der Endröhren auf gleichen Ruhestrom. Die Gegenkopplung führt das Signal von den Anoden der Endröhren zu den Katoden der Treiberröhren. Diese Gegenkopplungsschleife ist extrem kurz und minimiert damit Einflüsse des Ausgangsübertragers.

Bild 3: Netzteilschaltung

Die Netzteilschaltung ist in Bild 3 gezeigt. Nach dem Brückengleichrichter GR1 und den Siebkondensatoren C9 und C10 folgen zwei Stabilisierungen einerseits für die Schirmgitter der Endröhren und andererseits für die Versorgung der ECC 83. Beide Stabilisierungen sind identisch aufgebaut. Ihre Funktion wird daher nur einmal beschrieben. Der Kondensator C12 sorgt für die Referenzspannung am Gate des MOSFETs T3. Gespeist wird dieser Kondensator über den Spannungsteiler R59, R58, R57 und den Widerstand R60. R60 und C12 bilden gemeinsam einen Tiefpass mit einer –3 dB Frequenz von ca. 0,05 Hz. Das bedeutet, dass am Gate von T1 eine absolut saubere Gleichspannung anliegt. Da die Gate-Source-Spannung bei MOSFETs annähernd konstant ist, erreicht man am Ausgang des MOSFETs, und damit am Schirmgitter der Endröhren bzw. an den Vorröhren, im Fall der zweiten Stabilisierung eine ebenso saubere Gleichspannung. Durch den geringen Ausgangswiderstand des MOSFETs ist die stabilisierte Spannung weitestgehend signalunabhängig. D1 schützt den MOSFET vor zu hohen Spannungsdifferenzen zwischen Gate und Source, D3 sorgt für das Entladen von C12 beim Ausschalten des Verstärkers. C13 bietet den Vorteil eines besonders niedrigen Innenwiderstands und verbessert die Stabilisierung weiter. Über die Widerstände R67 bis R70 werden die Heizspannungen der Röhren auf Masse symmetriert.

Nach erfolgreicher Bestückung der Platine sind nur die Eingangsbuchsen, der Netztransformator und die Ausgangsübertrager zu verdrahten. Die erste Inbetriebnahme ist einfach. Man benötigt lediglich ein Multimeter, da die Endstufe keinerlei Abgleicharbeiten bei der Inbetriebnahme oder beim Röhrentausch erfordert. Vorerst werden nur die ECC 88 in die Fassungen eingesetzt. Dann wird der Verstärker eingeschaltet. Die Heizungen aller Röhren müssen nach wenigen Sekunden bereits leuchten. Nun werden die Heizspannungen an den Endröhrenfassungen geprüft. Hier sollten etwa 6,3 V Wechselspannung anliegen. Anschließend kontrolliert man die Betriebsspannungen, U1 ist ca. 375 V, U2 und U3 etwa 350 V, U4 genau 10V. Exakt in der Mitte der Platine befinden sich zum Messen dieser Spannungen die Testpunkte TP1 für U1, TP2 und TP3 für U2 und U3 sowie TP4 für U4 entsprechend dem Schaltplan in Bild 3.

Bild 4: Poti zur Einstellung des Ruhestroms

Bevor die Endröhren eingesetzt werden, muss die Referenzspannung der CCS mit P1 (bzw. P2) auf 0 Volt gemessen an TP5 bzw. TP6 eingestellt werden. Sind alle Betriebsspannungen korrekt, können die Endröhren eingesetzt werden. Am Verstärkerausgang wird ein Lastwiderstand von 8  angeschlossen, dann schaltet man den Verstärker ein. Wenn die Endröhren leiten, also nach etwa 30 Sekunden Anheizzeit, muss die Referenzspannung der CCS so lange erhöht werden, bis der gewünschte Ruhestrom durch die Endröhren fließt. In unserem Fall sind das pro Kanal 170 mA für beide Endröhren gemeinsam, d.h. an den Widerständen R73 bzw. R76 fallen 1,7 V ab, das ist auch der Messwert an TP5 und TP6. Dieser wird an P1 bzw. P2 eingestellt und an den Testpins TP5 bzw. TP6 gemessen. Die Testpins TP7 bis TP10 dienen zur paarweisen Selektion der Endröhren. Die Spannungen an TP7 und TP8 bzw. TP9 und TP10 sollten möglichst gut übereinstimmen. In Bild 4 sind diese Details bei einem fertigen Symmetrix zu sehen.

Nun kann die weitere Funktion des Verstärkers getestet werden. Wenn kein Oszilloskop vorfügbar ist testet man mit einem Musiksignal. Die Lautstärke wird dazu langsam hochgefahren. Besitzer eines Oszilloskops können unter Verwendung einer Soundtest-CD oder eines Signalgenerators überprüfen, ob der Verstärker zwischen Eingang und Ausgang phasenrein arbeitet. Sollte die Phase verdreht sein, kann der Ausgangsübertrager oder die Eingangsbeschaltung verpolt werden. Die Gegenkopplungsschleife befindet sich ausschließlich auf der Platine. Dadurch kann aus der Gegenkopplung auch bei invertierender Beschaltung des Ausgangsübertragers keine Mitkopplung werden. Nach dem Abschalten sollte etwa eine Minute gewartet werden bis wieder eingeschaltet wird. So vermeidet man unangenehme Geräusche im Lautsprecher, die durch das Wiederaufladen der Kondensatoren und das Anheizen der Röhren hervorgerufen werden.

Bild 5: Symmetrix im Profigehäuse

Eine mögliche Aufbauvariante ist in Bild 5 zu sehen. Bei einem geschlossenen Gehäuse sind neben genügend Lüftungsöffnungen langsam laufende Lüfter von Vorteil um die Innentemperatur niedrig zu halten. Im Computerbereich findet man passende in Gummi gelagerte Lüfter, die unhörbar arbeiten.

(1) Bitterlich W., Elektronik, Einführung in die Elektronik, Springer-Verlag, Wien, New York. 1967.

(2) Tietze U., Schenk Ch., Halbleiterschaltungstechnik. Springer-Verlag.

Röhrenverstärker: Das Impedanz-Problem zähmen

Im ersten Teil haben wir das Impedanz-Problem und dessen Auswirkungen beschrieben. Wir würden uns über viele Impedanzlinearisierungsaufträge freuen, aber wissen um eine gewisse Skepsis. Wie kann man testen, ob beim eigenen Lautsprecher die von uns beschriebenen Effekte auch so sehr zu bemerken sind? Manche Hersteller empfehlen zur Impedanzlinearisierung eine Parallelschaltung von Widerständen zum Lautsprecher. Wir schauen uns das bei der JmLab Chorus 707 an.

Als sogenannte „Poor Man´s“ Variante wird die Parallelwiderstand von 27 Ohm zum Lautsprecher empfohlen. Zum SPL Frequenzgang ohne (blau) und mit (grün) Entzerrung für das 2. Bassreflexmaximum, Mitten- und Höhenbereich ist die Variante ohne Entzerrung aber mit 27 Ohm parallel zum Lautsprecher in rot dargestellt:

Es ist kein Einfluss auf den Frequenzgang bei Parallelschaltung des 27 Ohm Widerstands zu erkennen. Um eine ähnliche klangliche Wirkung wie bei der sorgfältigen Impedanzlinearisierung zu erhalten, muss der Parallelwiderstand wesentlich kleiner gewählt werden, in unserem Fall 8,2 Ohm:


Die Auswirkung auf den SPL-Frequenzgang ist bei entsprechend kleinem Parallelwiderstand (8,2 Ohm in diesem Beispiel) ähnlich der aufwändigen Entzerrung. Die entscheidenden Unterschiede sind im Impedanz- und Phasengang sichtbar:

  • Die elektrische Phasendrehung ist größer als bei kompromissloser Entzerrung, man erkennt deutlich den Phasengang der originalen Box
  • Die Impedanz bleibt welliger und ist signifikant niedriger als jene der aufwändig linearisierten Box. Es wird wesentlich mehr Leistung im Parallelwiderstand verbraucht

Die Poor Man´s Variante ist keine professionelle Umsetzung des Themas und damit keine Dauerlösung. Man kann aber durch die Parallelschaltung eines 8,2 Ohm Widerstands rasch hören, was für ein Potential die Box mit linearisierter Impedanz hätte. Testen Sie das doch und falls Sie überrascht sind, was das ausmacht, dann reden Sie mit uns, wir können Ihnen einen Impedanz Linearisierung für Ihren Lautsprecher machen.

Röhrenverstärker: Das Impedanz-Problem


Lautsprecher für Röhrenverstärker: Eine Impedanzlinearisierung ist viel wichtiger als Wirkungsgradrekorde



Selbstverständlich muss ein Lautsprecher genug Wirkungsgrad mitbringen, um mit der vorhandenen Ausgangsleistung des Verstärkers genügend Lautstärke produzieren zu können. Mit den allermeisten Lautsprechern mit über 80 dB/W/m und den meisten Röhrenverstärkern mit 20 Wrms oder mehr ist da in typischen Wohnzimmern heute kein Problem mehr. Das Wirkungsgradproblem ist ein Problem jener Audiophilen, die nur mit Single-Ended (Eintakt-) Röhrenverstärkern glücklich sind und die mit 2-4 Wrms das Auskommen finden müssen. Im Gegensatz zum Wirkungsgradproblem betrifft das Impedanzproblem alle Röhrenverstärkerbesitzer, weil eine vom Nominalwert deutlich abweichende Impedanz einer Box einen deutlich messbaren und leider gut hörbaren Einfluss auf den Frequenzgang des Lautsprechers hat. Der Lautsprecher wird mit dem Röhrenverstärker lauter, wenn die Impedanz ansteigt. In Kombination mit dem Röhrenverstärker scheint der Lautsprecher an den Frequenzen mit höherer Impedanz auch einen höheren Wirkungsgrad zu haben. In der Praxis macht der Lautsprecher bzw. die Kombination von Lautsprecher und Röhrenverstärker an diesen Frequenzen Fehler, die nicht im Sinne des Lautsprecherentwicklers und gar nicht im Interesse des Röhrenverstärkerentwicklers sind.


Wir wollten der Sache auf den Grund gehen und diesen Effekt messen, um eine Idee zu haben, wie schlimm das Impedanzproblem überhaupt ist. Und es ist ein richtiges Problem, kein esoterisches:


Einfluss einer Impedanzlinearisierung auf den Frequenzgang


Wir entwickeln als Dienstleistung Impedanzlinearisierungen für Kundenlautsprecher. Zum Betrieb einer JmLab Chorus 707 am PureDynamics Quattro SE mit 4x EL34 entwickelten wir eine Impedanzlinearisierung für den JmLab Lautsprecher. Die Impedanz (dick blau) und die Phase (strichliert blau) der LautsprecherboxohneKorrektur ist im Titelbild zu sehen.


Die Impedanz (dick grün) und die Phase (strichliert grün) nach der Korrektur des 2. Bassreflexmaximums sowie des Mitten- und Höhenbereich ist folgende:


Man beachte, das durch die Impedanzlinearisierung auch der elektrischen Phasengang (strichlierte Kurve) optimiert wird. Das Zeitverhalten der Box wird dadurch optimiert. Durch die Impedanzlinearisierung verhält sich der Lautsprecher fast wie ein Widerstand, was optimal wäre.


Messung des Schalldrucks vor und nach der
Impedanzlinearisierung


SPL Frequenzgang ohne (blau) und mit (grün) Entzerrung für das 2. Bassreflexmaximum, Mitten- und Höhenbereich:


Wir beobachten eine deutliche und breitbandige Überhöhung zwischen ca. 500 bis 4000 Hz ohne Impedanzlinearisierung. Die höheren Pegelwerte sind in diesem Fall nicht gut, denn diese Überhöhungen sind Verfärbungen, die man eben egalisieren will. Die Überhöhung bzw. Verfärbungen machen sich besonders bei Stimmen bemerkbar, klassischen SängerInnen nerven und können ihre Schönheit nicht zeigen.

Wir entwickeln Impedanzlinearierungen für jeden Lautsprecher, wir brauchen dazu lediglich den Impedanzverlauf oder einen Lautsprecher, um die Impedanzgang – in dem Fall vorher und nach der Korrektur – messen zu können.

Impedanzlinearisierungen für beide Lautsprecher in einem Gehäuse, das direkt an den Röhrenverstärker angeschlossen wird.

Knowledgebase: Röhrenverstärker Rocker im Elektor Sonderheft Röhren 2

Hinweis: Der Rocker it ausverkauft, aber der weiterentwickelte Rocker III Bausatz ist verfügbar!

Lang, lang ist es her, dass wir 2006 den allerersten Rocker Bausatz in der Zeitschrift Elektor Röhren 2 veröffentlichten. Es hat sich seit damals einiges getan, wir bieten den weiterentwickelten Rocker Bausatz heute als Rocker III an: Das Konzept des Rockers mit einer Vorverstärkerröhre wurde bis zum letzten ausgereizt. Die Garter-Belt-Schaltung balanziert die Ruheströme der Endröhren, alle Netzteile sind kanalgetrennt ausgeführt, Details der Schaltung und des Layouts wurden optimiert. Aber der Reihe nach, Interessierte können den Artikel über den Röhrenverstärkerbausatz Rocker von 2006 nachlesen:

HiFi-Endstufe für Einsteiger mit der EL34

Diese HiFi-Endstufe ist für Einsteiger in die Röhrentechnik gedacht. Der notwendige finanzielle Aufwand ist vergleichsweise bescheiden, dennoch wird ein hohes Klangniveau erreicht. Durch das gewählte Schaltungsdesign entfallen jegliche Abgleichmaßnahmen und die vorgestellte Realisierung auf einer doppelseitigen Platine minimiert den Verdrahtungsaufwand.

Technische Daten

Ausgangsleistung:ca. 20 Wrms / 40 W an 8 Ω, beide Kanäle ausgesteuert, Clippinggrenze
Eingangsempfindlichkeit für Vollaussteuerung:0,75 Vrms
Frequenzgang:10 Hz (-0,1 dB)…65 kHz (-3 dB) bei 1 Wrms
10 Hz (-0,1 dB)…61 kHz (-3 dB) bei 20 Wrms
Übersprechdämpfung:61,5 dB bei 1 kHz
58 dB bei 10 kHz
Fremdspannung:-61 dBV unbewertet

Die Messungen wurden an einem Vollverstärker mit Eingangsrelais und Lautstärkepotentiometer ermittelt. Die Übersprechdämpfung einer Endstufe ist wesentlich besser.

Klirrfaktor:
kgesk2k3k4k5
0,29 %0,28 %0,020 %0,0025 %0,002 %bei 1 Wrms
1,78 %1,65 %0,55 %0,21 %0,18 %bei 20 Wrms

Die technischen Daten wurden an der Technischen Universität Graz mit Audio Precision Messtechnik ermittelt.

Eine der meistproduzierten, wenn nicht die meistproduzierte europäische Leistungspentode überhaupt, ist die EL34, die auch die Röhre der Wahl bei vielen Gitarrenverstärkern ist. Die bezogen auf das Röhrenzeitalter relativ moderne Röhre hat hervorragende Eigenschaften wie große Leistungsausbeute auf kleinem Raum, ist eine echte Pentode und keine Beam-Power Röhre mit ihren Nachteilen, die schon beim Kennlinienstudium ins Auge fallen. Das herausgeführte Bremsgitter ermöglicht zudem echten Triodenbetrieb. Die EL 34 ist einfach zu treiben, da die negative Gittervorspannung bei einer Anodenspannung von ca. 350 V nur ca. –22 V beträgt. Die Signalpegel zur Vollaussteuerung des in dieser Bauanleitung beschriebenen Verstärkers liegen damit bei ca. 45 Vss. Die berühmte 300B benötigt im Vergleich dazu bei etwa gleicher Ausgangsleistung 150 Vss zur Vollaussteuerung. Die Vorteile in der Praxis sind moderate Anforderungen an die Vorröhren wie z.B. niedrige Spannungsverstärkung. Dadurch ist eine Doppeltriode für die Spannungsverstärkung und Phasenumkehr vollkommen ausreichend. Ein gutes Gesamtergebnis, also guter Klang, ist mit der EL 34 als Endröhre dadurch relativ einfach realisierbar. Hier gilt das alte Prinzip, je weniger Bauteile im Signalweg, desto weniger Probleme können entstehen. Dennoch stellen wir hier keine Sparvariante vor, sondern betreiben an den klanglich relevanten Stellen hohen Aufwand, der das Gerät von den vielfach angebotenen Einsteigerverstärkern abhebt, wie Stabilisierungen der Anoden- und Schirmgitterspannung. Das schafft ein präzises und dynamisches Klangbild.

Die EL 34 wird nach wie vor von verschiedenen Herstellern in hoher Stückzahl produziert. Das wirkt sich einerseits sehr positiv aus Serienkonstanz und Qualität aus, andererseits ist die Röhre leicht und günstig verfügbar. In der Blütezeit der Röhrentechnik wurde die EL 34 im deutschsprachigen Standardhandbuch für Röhren [1] folgendermaßen charakterisiert: „EL 34, Standard-Endpentode für Kraftverstärker-Endstufen. Mit einer zulässigen Anodenbelastung von 25 W und einer maximalen Anodenspannung von 800 V kann je nach Schaltung (Eintakt-A, Gegentakt-AB und B) und Betriebsspannung (250-800 V) eine Nutzleistung von 8-100 W erzielt werden. Bis zu einer Betriebsspannung von 375 V ist Gegentakt-AB-Schaltung mit gemeinsamem Katodenwiderstand möglich.“ Die Vielseitigkeit der EL 34 wird durch die Tatsache bekräftigt, dass sie auch in Senderstufen (Modulationsverstärker), als Regelröhre und als Leistungsoszillator verwendet wurde. Wie der Leser diesem Zitat entnehmen kann, sind mit der EL 34 sehr viele verschiedene Schaltungsvarianten denkbar. Im Folgenden beschreiben wir die Auswahl und Realisierung der vorliegenden Schaltung. Neben den hohen klanglichen Erwartungen sind unsere Entwicklungsziele Betriebs- und Nachbausicherheit, einfache Verfügbarkeit aller notwendigen Bauteile, ausreichend Leistung und niedrige laufende Kosten, wobei die Langlebigkeit der EL 34 durch die gewählte Betriebsart begünstigt wird.

Nachbausicherheit bedeutet, dass bei der Erstinbetriebnahme keine Einstellarbeiten wie Ruhestromeinstellungen notwendig werden, um mögliche Bedienungsfehler und daraus folgende Schäden auszuschließen. Schaltungstechnisch stellt sich der Ruhestrom über den Spannungsabfall am gemeinsamen Katodenwiderstand der Endröhren ein. Dies wird automatische Ruhestromeinstellung, oder auf neudeusch „auto biasing“ genannt, was dasselbe ist. Der Aufbau des kompletten Verstärkers auf einer zweiseitigen, durchkontaktierten Platine hilft Fehler bei der Verdrahtung zu vermeiden und garantiert allen Nachbauern eine konstant gute Qualität. Lediglich der Netztransformator und die Ausgangsübertrager sind getrennt zu verdrahten. Die zweiseitige Platine ermöglicht die einfache Montage der Röhrenfassungen und der übrigen Bauteile auf der jeweils gegenüberliegenden Platinenseite, was sowohl der Wärmeabfuhr als auch der Optik zu Gute kommt.

Die Betriebssicherheit und die aktuelle Bauteilesituation bedingen eine Versorgungsspannung unter 400V, da bis zu dieser Spannung die Netzteilelkos und Koppelkondensatoren gut erhältlich und preisgünstig sind. Um bei dieser Versorgungsspannung die maximal mögliche Leistung zu erreichen, ist die Gegentakt-AB-Schaltung zu verwenden. Das wiederum kommt auch der Lebensdauer der Endröhren zu Gute, da der Ruhestrom so deutlich unter dem maximal erlaubten Wert bleiben kann. Dasselbe gilt auch für die Verlustleistung der Endröhren. Daraus ergibt sich die Gegentakt-AB-Schaltung mit gemeinsamem Katodenwiderstand und eine Versorgungsspannung von maximal 375 V. Die maximale Ausgangsleistung beträgt deutlich über 20 W an 4 und 8 Ω. Derartige Schaltungen finden sich in vielen Publikationen wie auch in [1] und diversen Herstellerdatenbüchern mit unterschiedlichen Endröhren u.a. [2]. Alte Schaltungstechnik im neuen Gewand sorgt sicherlich nicht für spannenden Lesestoff, würde man so doch die Entwicklungen sowohl auf dem Gebiet der Schaltungs- als auch Bauteiltechnik der letzten 30 Jahre ignorieren. Das größte Verbesserungspotential durch moderne Bauteile liegt in der Optimierung der Stromversorgung.

Durch die aussteuerungsabhängige Strombelastung einer Endstufe im Gegentakt-AB-Betrieb kommt es in traditionell konstruierten Netzteilen zu Betriebsspannungsschwankungen in der Versorgung der Endröhren, die das Nutzsignal negativ beeinflussen. Klanglich würde sich dies in Form von schwammigen Bässen und einer diffusen räumlichen Darstellung des Musikgeschehens bei höheren Lautstärken bemerkbar machen. Schon in [1] wurde für Gegentaktverstärker eine möglichst stabile Schirmgitterspannung empfohlen. Die üblichen Lösungsansätze wie die Verwendung von Drosseln und die Vergrößerung der Siebkondensatoren können diese Problematik nur verringern, aber nicht beseitigen. Messungen an Netzteilen mit sehr großen Siebdrosseln bestätigen zwar die sehr guten Unterdrückung des 100 Hz Brumms nach der Gleichrichtung, zeigen aber auch sehr deutliche niederfrequente Spannungsschwankungen bedingt durch Netzspannungsschwankungen im Bereich von mehreren Volt im einstelligen Hz-Bereich. Letztlich sind Verstärkernetzteile nicht nur statisch, sondern auch dynamisch im Zusammenhang mit dem Audiosignal zu betrachten. Der große Unterschied in den Kennlinien einer Pentode im Vergleich zu einer Triode ist der geringe Einfluss von Anodenspannungsänderungen auf den Strom, der durch die Röhre fließt. Jedes Gitter der Pentode hat eine Steuerfunktion. Spannungsschwankungen am Schirmgitter wirken sich deutlich auf den Katodenstrom aus. Daher ist eine Stabilisierung der Schirmgitterspannung bedeutend wichtiger für die Qualität einer Pentodenendstufe als eine Stabilisierung der Anodenspannung. Die Versorgungsspannung der Vorröhren einer Endstufe sollte möglichst unabhängig von den Spannungsschwankungen sein, die durch den Gegentakt-AB-Betrieb der Endröhren verursacht werden. Der Einfluss dieser Spannungsschwankungen kann zu einem tieffrequenten Schwingen der gesamten Endstufe führen. Unsere Lösung ist der Einsatz einer zweiten Stabilisierung, die bedeutend effizienter arbeitet als die übliche RC-Siebung.

Bild 1: Verstärkerschaltung

Ein Kanal der Verstärkerschaltung ist in Bild 1 zu sehen. Das Eingangssignal gelangt über R7 auf das Steuergitter eines Systems der ECC83 (V1). In dieser Röhre wird das Signal etwa 70-fach verstärkt. Um diese hohe Verstärkung zu erreichen, verwendeten wir einen sehr hochohmigen Anodenwiderstand (R5). Der Arbeitspunkt der Röhre wird über den geteilten Kathodenwiderstand R1 und R2 eingestellt. R1 wird durch die Kondensatoren C3 und C5 überbrückt. Der nicht überbrückte Widerstand R2 ist Teil des Gegenkopplungsnetzwerks. Das Ausgangssignal des Verstärkers wird über den Widerstand R3 auf R2 und damit auf die Katode der Eingangsröhre V1 zurückgeführt. C12 verändert den Gegenkopplungsgrad in den hohen Frequenzen und unterdrückt damit leichte Überschwinger des Ausgangssignals. Das verstärkte Signal wird durch C1 ausgekoppelt und einerseits auf das Gitter 1 der Endröhre V3, andererseits über den Widerstand R9 auf die 2. Hälfte der ECC83 (V2) gelegt. Die Widerstände R11 und R9 bilden ein Gegenkopplungsnetzwerk, das die Verstärkung der Röhre V2 auf -1 festlegt. R10 legt das Potential der Gitter von V2, V3 und V4 auf Masse. Diese Art der Phasenumkehr gewährleistet eine sehr gute Langzeitstabilität, weil der Verstärkungsrückgang aufgrund der Röhrenalterung weitestgehend ausgeglichen wird. Von der Anode von V2 gelangt das invertierte Signal über C2 auf das Steuergitter der zweiten Endröhre. Die Widerstände R12 und R13 unterbinden ungewolltes Schwingen der Endröhren. Die Arbeitpunkteinstellung der Endröhren V3 und V4 erfolgt über den gemeinsamen Katodenwiderstand R16. Auch dieser wird durch Kondensatoren (C7, C8) überbrückt. R14 und R15 sind als Messwiderstände zur Messung der Ruheströme der Endröhren vorgesehen. R17 und R18 haben die gleiche Funktion wie R12 und R13. Die Sicherungen F1 und F2 schützen die Stromversorgung und die Ausgangsübertrager im Fall eines Endröhrendefekts.

Bild 2: Netzteilschaltung

Die Netzteilschaltung ist in Bild 2 gezeigt. Nach der Brückengleichrichtung (Br1) und den Siebkondensatoren C25, C26 und C27 folgen zwei Stabilisierungen für einerseits die Schirmgitter der EL 34 und andererseits die Versorgung der ECC 83. Beide Stabilisierungen sind identisch aufgebaut. Ihre Funktion wird daher nur einmal beschrieben. Der Kondensator C28 sorgt für die Referenzspannung am Gate des MOSFETs T1. Gespeist wird dieser Kondensator über den Spannungsteiler R37, R38, R39 und den Widerstand R40. R40 und C28 bilden gemeinsam einen Tiefpass mit einer –3 dB Frequenz von ca. 0,05 Hz. Das bedeutet, dass am Gate von T1 eine absolut saubere Gleichspannung anliegt. Da die Gate-Source-Spannung bei MOSFETs annähernd konstant ist, erreichen wir am Ausgang des MOSFET, und damit am Schirmgitter der Endröhren bzw. der Vorröhren im Fall der zweiten Stabilisierung, eine ebenso saubere Gleichspannung. Durch den geringen Ausgangswiderstand des MOSFETs ist die stabilisierte Spannung weitestgehend signalunabhängig. D2 schützt den MOSFET vor zu hohen Spannungsdifferenzen zwischen Gate und Source, D3 sorgt für das Entladen von C28 beim Ausschalten des Verstärkers. C29 bietet den Vorteil eines besonders niedrigen Innenwiderstands und verbessert die Stabilisierung weiter. Über die Widerstände R47 bis R50 werden die Heizspannungen der Röhren auf Masse symmetriert. Durch die gemeinsamen Katodenwiderstände müssen gepaarte EL 34 verwendet werden.

Bild 3: Fertiger Vollverstärker

Die erste Inbetriebnahme ist einfach und erfordert lediglich ein Multimeter, da die Endstufe keinerlei Abgleicharbeiten bei der Inbetriebnahme oder beim Röhrentausch erfordert. Vorerst werden nur die ECC 83 in die Fassungen eingesetzt. Dann wird der Verstärker eingeschaltet. Die Heizungen aller Röhren müssen nach wenigen Sekunden bereits leuchten. Nun werden die Heizspannungen an den Endröhrenfassungen geprüft. Hier sollten etwa 6,3 V Wechselspannung anliegen. Anschließend kontrolliert man die Betriebsspannungen: U1 ist ca. 375 V, U2 und U3 etwa 350 V. Sind alle Werte korrekt, dann können die Endröhren eingesetzt werden. Am Verstärkerausgang wird ein Lastwiderstand von 8 Ω angeschlossen. Wenn kein Oszilloskop vorhanden ist, muss mit einem Musiksignal getestet werden. Die Lautstärke wird dazu langsam hochgefahren. Besitzer eines Oszilloskops können unter Verwendung einer Soundtest-CD oder eines Signalgenerators überprüfen, ob der Verstärker zwischen Eingang und Ausgang phasenrein arbeitet. Sollte die Phase verdreht sein, ist der Ausgangsübertrager zu verpolen: die Anodenanschlüsse an den Endröhren sind zu vertauschen, sonst entsteht aus der Gegenkopplung eine Mitkopplung. Der Gegenkopplungsgrad ist bei Verwendung der vorgeschlagenen Widerstandswerte minimal und die Verstärkerschaltung so linear, dass die Endstufe auch bei Mitkopplung nicht zu schwingen beginnt. Wenn kein Oszilloskop vorhanden ist, wird mit Musik geprüft, ob korrekterweise bei gleicher Lautstärkepotentiometerstellung die Musik beim Schließen der Gegenkopplungsschleife leiser wird. Nach dem Abschalten sollte etwa eine Minute gewartet werden bis wieder eingeschaltet wird. So vermeidet man unangenehme Geräusche des Lautsprechers, die durch das Wiederaufladen der Kondensatoren und Anheizen der Röhren hervorgerufen wird. Mit den angebotenen Bausätzen und Gehäusebauteilen lässt sich in wenig Zeit ein optisch ansprechendes Gerät bauen, siehe Bild 3.

Literatur

[1] Röhren und Transistorenhandbuch. Ing. Ludwig Ratheiser, 3. Auflage, Technischer Verlag Ing. Walter Erb, Wien, Seite 180.
[2] RCA Receiving Tube Manual. Technical Series RC-26. 1968 Radio Corporation of America.

Knowledgebase: Der Elektor-Artikel zu unserem 2A3 Röhrenverstärkerbausatz

Hinweis: Die originale Hauptplatine und das Gehäuse sind nicht mehr verfügbar, aber mit unserer verbesserten Hauptplatine ist die 2A3 noch einfacher aufzubauen, weil sich das Netzteil auf der Hauptplatine befindet.

Lang, lang ist es her, dass sich die Zeitschrift Elektor unter der Feder von Gerhard Haas dem Thema Röhrenverstärker annahm. Auch wir veröffentlichen vor etwa 20 Jahren eine Reihe von Artikeln, die unseren damaligen Bausätzen gewidmet waren. Besonders erfolgreich war unser 2A3 Röhrenverstärker aus dem Elektor Röhrensonderheft 1/2005. Die Hauptplatine zu diesem Bausatz ist in überarbeiteter Form wieder verfügbar. Wir nehmen das zum Anlass, den damaligen Artikel hier zur Verfügung zu stellen. Andere Artikel werden folgen. Wer Interesse an einem Nachbau hat, möge sich bitte melden, es sind alle notwendigen Bauteile und Platinen auf Lager. Es lohnt sich auch, die alten Hefte aufzutreiben, wir haben noch einige auf Lager.

Moderne Triodenendstufe mit der legendären 2A3

Dieser Artikel beschreibt eine Endstufenschaltung für 2A3 Endtrioden, die klassische und moderne Schaltungstechniken kombiniert und innovative Detaillösungen präsentiert. Bisher waren die Triodenfans eine eingeschworene Gemeinschaft, die an Musikmaterial wie z.B. Kammermusik und Soloinstrumenten und –stimmen besonderes Vergnügen fand, weil dadurch die Stärken der Endröhren speziell betont wurden. Ein weites Spektrum an Musik blieb dabei jedoch auf der Strecke. Hohe Dynamik, klare Höhen und knackige Bässe gehören nicht unbedingt zu den Stärken von vielen Röhrenverstärkern mit Trioden als Endröhren. Unser Ziel war, die bestechenden Stärken der 2A3 zu erhalten und ihr mit Mitteln, die den Entwicklern vor über 70 Jahren noch nicht zur Verfügung standen, die qualitativ entsprechenden Bässe und Höhen zu entlocken.

Technische Daten

Gerhard Haas ermittelte mit dem Audio Precision Messsystem folgende Werte:

Ausgangsleistung:ca. 10 Wrms / 20 W an 8 Ω, beide Kanäle ausgesteuert, Clippinggrenze
Eingangsempfindlichkeit für Vollaussteuerung:0,85 Vrms
Frequenzgang:20 Hz (-0,2 dB)…40 kHz (-3db) bei 1 Wrms
20 Hz (-0,2 dB)….38 kHz (-3db) bei 8 Wrms
jeweils ohne Gegenkopplung, mit Gegenkopplung
kann die obere Grenzfrequenz höher liegen
Übersprechdämpfung:L – R:
90 dB bei 1 kHz
75 dB bei 10 kHz
R – L:
83 dB bei 1 kHz
62 dB bei 10 kHz
Geräuschspannung:-79 dBV (A) = 112 µV
Klirrfaktor:
kgesk2k3k4k5
1,2 %1,15 %0,10 %0,03 %0,02 %bei 1 Wrms
4,0 %3,7 %0,87 %0,13 %0,07 %bei 8 W

Zur Zeit der Entwicklung der 2A3 in den 1930er Jahren galt diese Röhre als leistungsstark, sie wurde in Rundfunkempfängern und professionellen Verstärkern verwendet, allerdings in Kombination mit sehr wirkungsgradstarken Lautsprechern. Die Lautsprechertechnologie hat sich von voluminösen Hornlautsprechern zu wohnraumfreundlichen, kompakten Gehäusen entwickelt, was jedoch mit einer Reduzierung des Wirkungsgrades verbunden war und dementsprechend stärkere Endstufen erfordert. Aus dieser Notwendigkeit heraus entstanden immer leistungsstärkere Röhrentypen, die Klangqualität der alten 2A3 wurde unserer Meinung nach jedoch nicht übertroffen. Die Möglichkeiten einer Leistungssteigerung sind, um beim klassischen Eintaktverstärker zu bleiben, das Parallelschalten mehrerer Endröhren. Der Nachteil dieser Methode ist der wegen der hohen Gleichstrombelastung sehr große und aufwändig zu wickelnde Ausgangsübertrager. Die von uns gewählte Alternative ist die Gegentaktschaltung mit zwei Ausgangsröhren im AB-Betrieb. Durch den bedeutend höheren Wirkungsgrad des Gegentakt-AB-Betriebs im Vergleich zum Eintakt-A-Betrieb ist die Leistungsausbeute deutlich höher. Mit zwei Endröhren wären im Eintaktbetrieb nur mit etwa 5-7 W zu rechnen. Bei einer moderaten Anodenspannung von 350 V werden hier über 8 W erreicht. Ein weiterer Vorteil des Gegentaktbetriebs ist die Verminderung von Verzerrungen. Dies begünstigt den gegenkopplungsfreien Betrieb des Verstärkers an Lautsprechern mit gutmütigem Impedanzverlauf. Trioden produzieren in erster Linie k2, Pentoden wie z.B. die EL 34 dagegen k3. Die Gegentaktschaltung unterdrückt Klirranteile geradzahliger Ordnung, ein prinzipieller Vorteil einer HiFi-Schaltung, die keinen Eigenklang produzieren soll. Damit waren die grundlegenden Designentscheidungen getroffen. Im Gegensatz zu einer Gegentaktendstufe mit Pentodenbestückung, die durch ihre Eigenschaften von hoher Verstärkung und gegenüber Trioden geringe Eingangskapazität eine effektive und ökonomische Signalaufbereitung von Spannungsverstärker-, Treiber-, und Phasenumkehrstufe mit einer Doppeltriode möglich macht, galt es bei einer Triodenendstufe eine leistungsstarke Signalaufbereitung und ein den Anforderungen angemessenes Netzteil zu entwickeln, was maßgeblichen Anteil an der hohen Klangqualität des Verstärkers hat.

Durch die aussteuerungsabhängige Strombelastung einer Endstufe im Gegentakt-AB-Betrieb kommt es in traditionell konstruierten Netzteilen zu Betriebsspannungsschwankungen in der Versorgung der Endröhren, die das Nutzsignal negativ beeinflussen. Dieser Effekt kommt bei Endtrioden durch deren wesentlich kleineren Innenwiderstand stärker zum Tragen als bei Pentoden. Übertrager und Röhre bilden eine Spannungteiler, der durch den geringen Innenwiderstand der Triode im Vergleich zu Pentoden jedes Signal im Netzteil wie Restwelligkeit und nutzsignalabhängige Spannungsänderung bedämpft, das über die Primärwicklung des Übertragers in die Endröhre eingespeist wird. Das dadurch bedingte Differenzsignal am Übertrager addiert sich zum Nutzsignal und wird am Lautsprecher wiedergegeben. Klanglich würde sich dies in Form von schwammigen Bässen und einer diffusen räumlichen Darstellung des Musikgeschehens bei höheren Lautstärken bemerkbar machen. Die üblichen Lösungsansätze wie die Verwendung von Drosseln und die Vergrößerung der Siebkondensatoren können diese Problematik nur verringern, aber nicht beseitigen.

Versuche mit einem ersten Prototypen, in dem ein bewährtes Netzteil aus unserer mit der EL 34 bestückten Endstufe verwendet wurde, bestätigten diese Überlegungen eindrücklich. Messungen ergaben eine Spannungsdifferenz von mehreren Volt zwischen Leerlauf und Volllast des Verstärkers auch bei Verwendung stark überdimensionierter Netztransformatoren. Unsere Lösung für dieses Problem war eine möglichst einfache, aber effiziente Stabilisierung der Versorgung der Endröhren. Die bekannte Aversion der Röhrengemeinde gegenüber Stabilisierungen beruht auf dem oft subjektiv erlebten negativen klanglichen Einfluss geregelter Stabilisierungen. Wir wählten daher eine dem Gyrator verwandte gegenkopplungsfreie Variante. In Bild 1 ist der Schaltplan des Netzteils mit allem Stabilisierungen zu sehen. Die stabilisierende Wirkung dieser Schaltung ist zwar etwas geringer, dafür ist ihre klangliche Auswirkung ausschließlich positiv. Die gemessenen Spannungsschwankungen liegen nunmehr unabhängig von der Frequenz im Bereich von einigen Millivolt. Die Endstufe spielt damit sehr präzise und auch im Bass mit viel Druck. Röhrengleichrichter haben im Vergleich zu Halbleiterdioden einen hohen Innenwiderstand. Daher wurde eine Gleichrichtung durch Halbleiterdioden anstelle einer Röhrengleichrichtung gewählt, um Spannungsschwankungen im Netzteil zu minimieren, die durch den nicht konstanten Strombedarf der AB-Gegentaktschaltung auftreten. Eine Gleichrichterröhre würde Stromschwankungen durch ihren hohen Innenwiderstand in größere Spannungsschwankungen umsetzen.

Damit die 2A3 auch den gestellten Anforderungen gerecht angesteuert werden, wurden drei grundlegende Punkte vorgegeben: hohe Verstärkung des Spannungsverstärkers, Gitterstrom der Endröhre und hohe Bandbreite. Durch den niedrigen Verstärkungsfaktor der 2A3 müssen die Treiberstufen zur Vollausteuerung der Endstufe ein Signal mit ungefähr 100 Vss liefern können. Dafür kommen nur wenige Röhren in Frage. Die verwendete Doppeltriode 6SL7GT erledigt diese Aufgabe sehr gut und zudem besonders verzerrungsarm. Gitterstrom tritt dann auf, wenn bei hoher Aussteuerung das Steuergitter im Bezug zur Katode positiv wird und Elektronen über das Gitter abfließen. Dieser Gitterstrom führt bei Beschaltung mit einem Koppelkondensator zwischen Treiberstufe und Endröhre zum Umladen desselben und damit zu einer Verschiebung der Arbeitpunkteinstellung der Endröhren. Die Verzerrungen nehmen dadurch zu, was den Klang beeinträchtigt, bis sich die ursprünglichen Spannungswerte am Kondensator wieder eingestellt haben. Wie lange das dauern kann, hängt von der Zeitkonstante ab, die durch den Koppelkondensator und den Gitterableitwiderstand definiert wird. Man bewegt sich hier im Sekundenbereich, wie die übliche Auslegung des Koppelkondensators auf eine untere Grenzfrequenz von 0,5 bis 5 Hz belegt. Es ist daher besser, die Treiberstufe direkt mit dem Gitter der Endröhre zu koppeln. Der geforderte Gitterstrom bei hoher Aussteuerung der Endröhre wird durch die direkt gekoppelte Treiberröhre unmittelbar geliefert. Die Arbeitspunkteinstellung bleibt erhalten und der Verstärker kann bis zu seiner Leistungsgrenze mit hoher Dynamik und geringsten Verzerrungen sauber spielen. Die direkte Kopplung löst nebenbei auch das Problem der eingeschränkten Bandbreite durch die im Vergleich zu Pentoden hohe Kapazität der Trioden zwischen Steuergitter und Anode, die mit der Verstärkung der Röhre zu multiplizieren ist. In den 1930er Jahren, als große Leistungstrioden in Rundfunkempfängern und Verstärkern eingesetzt wurden, waren Breitbandlautsprecher die Regel und High Fidelity in weiter Ferne. Die je nach Schaltung durch die Eingangskapazitäten der Endtrioden begrenzte Bandbreite war damals kein Problem. Will man jedoch moderne Lautsprecher einsetzen und moderne Tonträger wiedergeben, so ist es eine absolute Notwendigkeit, zu gewährleisten, dass der Frequenzgang im gesamten menschlichen Hörbereich und darüber hinaus absolut gleichmäßig verläuft. Je hochohmiger die Treiberstufe ausgelegt ist, desto niedriger ist die obere Grenzfrequenz des Verstärkers. Durch die direkte Kopplung zwischen Treiberröhre und Endröhre wird diese sehr niederohmig angesteuert und die mit den Kapazitäten der Gitter gebildeten Tiefpassfilter bedeuten keine Gefahr mehr in Form einer hörbaren Begrenzung der Höhen. Wie schon erwähnt, wird als Treiberröhre eine 6SL7GT verwendet, die nur einen geringen Ruhestrom von rund 1,5 mA hat. Dies mag verwundern, bedeutet jedoch nichts anderes als eine Strombegrenzung und damit einen Schutz für die 2A3, die durch erhöhten Gitterstrom beschädigt oder zerstört werden könnte. NF-Endröhren vertragen nämlich im Gegensatz zu Senderöhren, die auf Gitterstrombetrieb ausgelegt sind, keine signifikanten Gitterströme.

Bild 1: Netzteilschaltung

Nach der ausführlichen Beschreibung der Philosophie der Schaltungsauslegung kommen wir nun zu Schaltungsbeschreibung. In Bild 2 ist die Verstärkerschaltung gezeigt. Das Eingangssignal wird ohne jegliches Filter über einen kleinen Vorwiderstand auf das Steuergitter der Eingangsröhre V1a. Die Verstärkung dieser Stufe ist etwa 50-fach. Einerseits geht das Signal von der Anode der Eingangsröhre V1a zur ersten Treiberröhre V2a, andererseits zur Phasenumkehrröhre V1b, die das für die Gegentaktendstufe benötigte invertierte Signal zur Verfügung stellt. Die Verstärkung der Phasenumkehrstufe beträgt -1. Erreicht wird das durch die Widerstände R27 und R31. Die Vorteile dieser Beschaltungsart sind die hohe Symmetrie der gegenphasigen Signale und die Kompensation der durch die Röhrenalterung hervorgerufenen Verstärkungsänderung. Von der Phasenumkehrröhre wird das Signal zur zweiten Treiberröhre V2b geführt. Die Funktion der Treiberschaltung wurde bereits oben erläutert. Eine Besonderheit ist die Verwendung von Konstantstromquellen als Last für die Spannungsfolger. Der Vorteil ist der Betrieb der Treiberröhren mit konstantem Strom, weil dadurch die Spannung zwischen Steuergitter und Katode unabhängig von der Höhe des Ausgangssignals gleich bleibt. Üblicherweise befindet sich an dieser Stelle ein ohmscher Widerstand, der bei einer durch das Musiksignal hervorgerufen Spannungsänderung zwischen Katode und negativer Betriebsspannung eine Stromänderung durch die Röhren und somit Verzerrungen des Ausgangssignals dieser Stufe zur Folge hätte. Von den Treiberstufen gelangt das Signal über einen Vorwiderstand auf die Steuergitter der Endröhren. Die Ruhestromeinstellung der Endröhren V3 und V4 erfolgt über getrennte Katodenwiderstände, die wechselstrommäßig durch Kondensatoren überbrückt werden. Die Endröhren beeinflussen sich dadurch nicht gegenseitig in ihrer Ruhestromeinstellung. Durch die Wahl der Katodenwiderstände von 1 kΩ arbeiten die Endröhren mit verringertem Ruhestrom im Vergleich zur Eintaktschaltung und haben dadurch eine wesentlich höhere Lebenserwartung. Der Ruhestrom ist trotzdem so hoch eingestellt, dass Übernahmeverzerrungen ausgeschlossen werden.

Ein Problem direkt geheizter Röhren ist die Überlagerung des Musiksignals mit dem Heizungsbrumm aufgrund der direkt geheizten Katode. Diese Tatsache hat schließlich zur Entwicklung der indirekt geheizten Röhren geführt. In einer Eintakt-Schaltung wird deswegen oft mit Gleichstromheizung gearbeitet. Wir haben es einfacher und machen uns die bereits oben erwähnte Eigenschaft der Gegentaktschaltung, gleichphasige Störsignale im Übertrager auszulöschen, zu Nutze und speisen die Wechselstromheizung gleichphasig in beide Endröhren ein. Wir ziehen diese Lösung als aus klanglichen Gründen einer Gleichstromheizung vor. Hier gilt wieder einmal: Je weniger Bauteile, desto besser der Klang.

Bild 2: Verstärkerschaltung

Aufgrund des geringen Ausgangswiderstands der 2A3 und der sehr guten Linearität der Verstärkerschaltung kann auf eine Über-Alles-Gegenkopplung, wie in Bild 2 eingezeichnet, verzichtet werden, was einem offenen und lebendigen Klang sehr zugute kommt. Die auf der Verstärkerplatine vorgesehenen Plätze für R25 und C13 werden in diesem Fall nicht bestückt (siehe entsprechende Hinweise in der Stückliste). Manche Lautsprecher benötigen jedoch mehr Kontrolle des Tieftöners durch die Endstufe, was man durch Aktivierung der Gegenkopplung erreichen kann.

Bild 3: Hauptplatine

Bis auf die Widerstände Rk für den Katodenabgriff, die direkt an die Sockel der 2A3 gelötet werden, befinden sich alle Bauteile auf drei Platinen. An klanglich relevanten Stellen wurden mittels Hörvergleichen die optimalen Bauteile ermittelt. So finden sich z.B. als Koppelkondensatoren ausschließlich Zinnfolientypen und im Netzteil hochwertige Elkos des Herstellers Rubycon. Sämtliche Widerstände sind 1%-Typen von Beyschlag. Die Ausgangsübertrager sind Spezialanfertigungen und entsprechend den Anforderungen in Zweikammerbauweise mit 14-fach verschachtelten Wicklungen ausgeführt. Das Gehäuse ist aus Edelstahl (siehe Bild 4) und damit nicht magnetisch, um Rückwirkungen auf das Signal zu verhindern. Die Platinenbauweise tritt aufgrund des durchdachten Layouts (siehe auch Bild 3, bestückte Hauptplatine) und der auf langjähriger Erfahrung basierenden Leiterbahnführung in keinster Weise als Klangbremse in Erscheinung und ist der vielfach favorisierten Freiverdrahtung in klanglicher Hinsicht zumindest ebenbürtig, im Hinblick auf Betriebs- und Nachbausicherheit aus nahe liegenden Gründen sogar deutlich überlegen.

Alle Massen der Schaltung werden auf der Netzteilplatine zusammengeführt und über eine Lötöse und einen Stehbolzen mit dem Gehäuse und der Schutzwicklung des Netztransformators verbunden. Von den Eingangsbuchsen führt man den rechten und linken Kanal mit geschirmten Kabeln auf die Hauptplatine. Für alle anderen Signal- und Versorgungsverbindungen bis auf die Heizung eignet sich herkömmlicher Schaltdraht. Die Verdrahtung der Röhrenheizung erfolgt zum Schluss mit einem Kabelquerschnitt von mindestens 1mm² zu den Endröhren bzw. mit 0,5 mm² zu den Vorverstärkerröhren auf der Verstärkerplatine.

Die erste Inbetriebnahme ist einfach und erfordert lediglich ein Multimeter, da die Endstufe keinerlei Abgleicharbeiten bei der Inbetriebnahme oder beim Röhrentausch erfordert. Die Endröhren werden vorerst nicht eingesetzt, sondern nur die Vorröhren. Dann wird der Verstärker eingeschaltet. Die Heizungen der Röhren 6SL7GT müssen nach wenigen Sekunden bereits leuchten. Nun werden die Heizspannungen an den Röhrensocken der Endröhren geprüft. Hier sollten ca. 2,5 V Wechselspannung anliegen. Anschließend kontrolliert man die Betriebsspannungen: U1 ist ca. 350 V, U2 ca. 150 V, U3 ca. 320 V, U4 ca. –77 V. Sind alle Werte korrekt, dann können die Endröhren eingesetzt werden. Am Verstärkerausgang wird ein Lastwiderstand von 8Ω angeschlossen. Wenn kein Oszilloskop vorhanden ist, muss mit einem Musiksignal getestet werden. Die Lautstärke wird dazu langsam hochgefahren. Besitzer eines Oszilloskops können unter Verwendung einer Soundtest-CD oder eines Signalgenerators überprüfen, ob der Verstärker zwischen Eingang und Ausgang phasenrein arbeitet. Sollte die Phase verdreht sein, ist der Ausgangsübertrager verpolt. Dann müssen die Anodenanschlüsse an den Endröhren vertauscht werden.

Bild 4: Fertiger Verstärker

Soll die Gegenkopplung verwendet werden, dann darf der Verstärker die Phase nicht invertieren, sonst wird aus der Gegenkopplung eine Mitkopplung. Der Gegenkopplungsgrad ist jedoch bei Verwendung der vorgeschlagenen Widerstandswerte so minimal und die Verstärkerschaltung so linear, dass die Endstufe auch bei einer Mitkopplung nicht schwingt. Wenn kein Oszilloskop vorhanden ist, wird mit Musik geprüft, ob korrekterweise bei gleicher Potistellung die Musik bei Verwendung der Gegenkopplung leiser wird. Ist das nicht der Fall, dann sind die Anodenanschlüsse zu vertauschen.

Die Endstufe kann allen aktuell erhältlichen 2A3 betrieben werden, auch mit den 40 Watt Typen des Herstellers JJ. Leistungssteigerung ist aber nicht zu erwarten, dazu müsste die Versorgungsspannung erhöht werden. Alle Spannungen werden langsam und damit Röhren schonend hochgefahren. Nach dem Abschalten sollte etwa eine Minute gewartet werden bis wieder eingeschaltet wird. So vermeidet man unangenehme Geräusche des Lautsprechers, die durch das Wiederaufladen der Kondensatoren und Anheizen der Röhren hervorgerufen wird. Die vorhandene Leistung der Endstufe reicht je nach Raumgröße und Wirkungsgrad des Lautsprechers auch für sehr hohe Abhörlautstärken. Als Lautsprecher sind keine Wirkungsgradboliden notwendig. Empfohlen werden Lautsprecher mit mindestens 88-90dB/W/m bei einer Zimmergröße von 30-40m².


Videos zum Bau unseres Röhrenverstärkers Rocker III sind online

Unser Röhrenverstärkerbausatz Rocker III wurden als Einsteigerbausatz konzipiert mit dem Ziel, einen hervorragenden klingenden Röhrenverstärker zu entwickeln, der möglichst einfach aufzubauen ist. Der Schaltungsentwurf orientiert sich an dem Motto, das Albert Einstein zugeschrieben wird: So einfach wie möglich, aber nicht einfacher. Um dem Aufbau für den Einsteiger bewältigbar zu gestalten, wurden alle Bauteile bis auf den Netztransformator und die Ausgangsübertrager auf einer großen doppelseitigen Platine angeordnet. Der Bauteileaufdruck hilft bei der Bestückung. Eine Reihe von Videos geben Einblicke in den Zusammenbau des Rocker III Röhrenverstärkerbausatzes:

Zusammenbau des Rocker III Teil 1: passive Bauteile
Zusammenbau der Rocker III Teil 2: Kondensatoren und aktive Bauteile
Zusammenbau des Rocker III Teil 3: Transformatoren